Gesunder Schlaf - ungesunder Schlaf
Hausstaubmilben und Hausstaub als Allergenquelle
Die Bedeutung des Hausstaubs
als Auslöser von Atemwegs-erkrankungen ist seit langem bekannt.
Von den historisch übermittelten medizinisch, empirischen Berichten sei exemplarisch die Beobachtung von Storm van Leeuwen aus dem Jahre 1923 genannt. Eine Gruppe von holländischen Asthmatikern wurde bei einem Aufenthalt im Hochgebirge beschwerdefrei.
Das Öffnen einer Büchse, gefüllt mit Hausstaub aus dem heimatlichen Wohnbereich, führte zugleich zum Auftreten von Atemnot.
Allgemeines über Milben
"Ausser in der Luft, wo sie sich mangels Flügeln nicht aufhalten können, sind sie überall: Vom Eis des Südpols bis zu den kochend heißen Quellen der Tiefseegräben, von der Namib-Wüste bis hinauf in die norwegischen Wälder - kein Lebensraum ist ihnen fremd.Weder Boden noch Wasser, weder Pflanzen noch Tiere", so beschreibt sie Professor Coineau, der Leiter des Forschungslaboratoriums für Arthropoden (Gliederfüßer), zu denen die Milben gehören.
Für diese heimlichen "Besetzer" ist jedes lebende Wesen ein eigener Mikrokosmos, in dem sie geboren werden, fressen, sich fortpflanzen, sich gegenseitig auffressen und sterben. Die Ordnung der Milben mit nahezu einer halben Million beschriebener Spezies (Milbenforscher halten es für möglich, dass es doppelt so viele Arten gibt) umfasst Raubmilben ebenso wie deren Beute und Aasfresser. In unserem unmittelbaren Lebensumfeld gibt es etwa 30 verschiedene Arten.
Hausstaubmilben
Die zur Familie der Spinnentiere gehörenden Hausstaubmilben lieben eine Luftfeuchtigkeit von 65 bis 80 Prozent. Deshalb sind sie auch in der trocken Luft des Hochgebirges nur sehr selten zu finden.
Im Frühsommer, wenn die warme und feuchte Witterung beginnt, fangen die Milben an sich zu vermehren. Die weiblichen Tiere legen rund 40 Eier und produzieren so alle drei Wochen eine neue Generation.
Im Hochsommer und in den ersten Herbstmonaten werden die höchsten Zahlen erreicht.
Milben ernähren sich unter anderem von den Hautschuppen, die Menschen täglich verlieren. Von dem normalen täglichen Verlust eines Menschen an Hautschuppen, ungefähr 1,5 Gramm, können sich etwa 1,5 Millionen Milben gut ernähren. Außerdem mögen Milben Haare und Federn von Haustieren auch besonders gern.
Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass sich Milben gerade in den Bereichen besonders wohl fühlen, wo sie alle diese Dinge im Überfluss finden können: Im Bett.
Die Matratzen in unseren Betten gleichen einem Dschungel.
Es wimmelt darin nur so von Milben. Untersuchungen haben gezeigt, dass in jedem Bett in Deutschland ungefähr 10.000 Milben leben. Matratzen, Kissen, Decken, Vorhänge, Teppiche, Stofftiere bieten ideale Lebensbedingungen. Die kleinen Spinnentiere hinterlassen dort ihre Ausscheidungen. Auf diese Ausscheidungen reagieren viele Menschen allergisch, besonders Nachts oder beim Aufwachen.
Die Hausstaubmilben zählen als wichtigstes allergenes Prinzip des Hausstaubes. Wir wissen heute, dass die immunologische Antwort des Milbenallergikers ausgelöst wird durch Allergene, die mit dem Verdauungstrakt der Milben assoziiert sind und über den Kot ausgeschieden werden.
Durch die Biologie der Hausstaubmilben und ihre ökologischen Bedürfnisse werden die typischen Symptome eines Milbenallergikers verständlich. Die große Zahl von Hausstaubmilbenallergikern muss sowohl vor dem Hintergrund des Vorkommens der Hausstaubmilben als auch im Zusammenhang mit neuzeitlichen Wohn- und Heizbedingungen gesehen werden, die vielerorts ideale Wachstumsbedingungen hinsichtlich relativer Luftfeuchte und Temperatur schaffen.
Als Hauptnahrungsquelle der Hausstaubmilben dienen menschliche Hautschuppen, so dass unter Miteinbeziehung günstiger Umgebungsbedingungen - der Schlafstättenbereich ein erhebliches Milbenreservoir darstellt.
Sie möchten die Hausstaubmilben aus Ihrem Bett verbannen?
Die Lösung: Die Verwendung von Matratzen, welche eine keimfreie und sterilisiernde Wirkung besitzen, wodurch Hausstaubmilben im Bett keine Lebensgrundlage finden.
Beispielhafte Merkmale einer Hausstaubmilbenallergie
Die betroffenen Patienten reagieren mit laufender Nase, tränenden Augen, Niesanfällen, Husten, bis hin zu anfallsartiger Atemnot. Die allergischen Beschwerden erreichen ihren Höhepunkt mit Beginn der Heizperiode. Zu der Zeit sterben zwar durch die niedrige Luftfeuchtigkeit die meisten Hausstaubmilben ab, aber die maximale Menge an Kot ist angesammelt. Die Kotbällchen trocknen aus, zerfallen in Feinstaub und werden mit der Atemluft inhaliert.
Warum bestimmte Personen allergisch anfälliger sind, weiss man noch nicht. Man weis aber, dass diese Patienten auf bestimmte Proteine (Eiweisse) des Milbenkotes übersteigert reagieren. In Wohnräumen sind die Auswirkungen der Allergie stärker ausgeprägt als im Freien. Häufiger zeitlicher und räumlicher Bezug ist besonders zum Schlafstättenbereich gegeben. Beschwerdefreiheit in allergenarmer Umgebung (Klinik, Höhenlagen). Morgendliches und abendliches (nächtliches) Beschwerdemaximum. Auslösung durch reinigende Hausarbeiten.
Andere Arten von Milben
Diese gehen auf denkbar unerfreuliche Weise mit uns Menschen um, wie die Krätzmilbe Sarcoptes: Sie gräbt Gänge in unserer Haut und ist der Erreger der Krätze.
Oder die Grasmilben, die uns im Spätsommer und Herbst die Beine zerbeißen.
Die gefährlichsten Vertreter unter diesen Plagegeistern sind die Zecken. Sie stehen weltweit unter den parasitären Schädlingen an zweiter Stelle. Diese kleinen Vampire brauchen frisches Blut, um sich in drei Entwicklungsstadien bis zur erwachsenen Zecke zu entwickeln.
Glücklicherweise sind nicht alle Milben gefährliche Parasiten. Es gibt unter ihnen auch durchaus sympathische Vertreter, wie etwa die Bodenmilben, ein kleines Völkchen, das für das Wachstum der Pflanzen und damit für unser eigenes Überleben unerlässlich ist.
Manche Milbenarten sind sogar so nützlich, dass der Mensch versucht hat, sie zu domestizieren. Zu ihnen gehört die Raubmilbe Phytoseilus, die andere Milben frisst, die sich als Pflanzenschädlinge betätigen. Und dann wäre da auch noch die Mehlmilbe Acarus siro: Sie lebt in der Rinde bestimmter traditionell hergestellter Käsesorten, die von manchen Feinschmeckern besonders geschätzt werden. Im Jardin des Plantes in Paris gibt es einen Ort, an dem der Einsatz jeglicher Schädlingsvernichtungsmittel verboten ist. Dort werden Milben gezüchtet und gehätschelt.
Prof. Coineau hat eigens für sie einen geschützten Bereich eingerichtet. In diesem weltweit einzigartigen Mikrozoo können die Besucher des Parks mit Hilfe modernster Technik die sonst unsichtbare faszinierende Welt der Bodenmilben entdecken. Coineau hat es sich zur Aufgabe gemacht, andere Menschen an seiner Begeisterung für diese winzigen Tiere teilhaben zu lassen.

